Natasha Akhmerova Gallery
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07.10.2011 - 01.12.2011

Rolf Schroeter / Kaspar Toggenburger
zusammengestellt von Mario Lüscher

Barbarian Art Gallery / by Natasha Akhmerova 6. Oktober – 1. Dezember 2011

Die gemeinsame Ausstellung von Rolf Schroeter (*1932) und Kaspar Toggenburger (*1960) vereinigt nicht nur zwei unterschiedliche Generationen, sondern ebenso zwei künstlerische Traditionslinien wie sie auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten.

Rolf Schroeter, der sich in den 50er Jahren an der Hochschule für Gestaltung Ulm in visueller Kommunikation ausbilden liess, bewegte sich im Medium Fotografie an der Schnittstelle von angewandter Kunst und eigenständigem künstlerischem Schaffen – ein Werk, dass im Laufe der Jahre in eine Vielzahl von gemeinschaftlichen Arbeiten mündete, so mit Otto Piene, Karl Prantl, Günther Uecker oder Richard Jackson. Als einst dienstleisterisches Medium hat sich die Fotografie in Schroeters Arbeit zunehmend von ihrem angewandten Charakter emanzipiert – Arbeiten, die sich heute in eigenständiger Form als umfangreiche Serien präsentieren. Im Rahmen dieser Ausstellung zeigen wir ausgewählte Bilder aus Schroeters Serie Wustrow: Still-Leben (1995) – die Chronik des Zerfalls einer sowjetischen Militärbasis, welche die deutsche Insel Wustrow bis 1993 beherbergte. Die gesamte Wustrow-Serie wird im kommenden Jahr anlässlich einer Retrospektive von Rolf Schroeters Lebenswerk zu sehen sein.

Kaspar Toggenburger genoss an der Schule für Gestaltung in St. Gallen eine klassische künstlerische Ausbildung, die er an der Ecole des Beaux-Arts in Paris und später bei A.R. Penck in Düsseldorf abschloss. Von Graphik und Malerei herkommend hat Toggenburger sein mediales Repertoire stetig erweitert, in dem eine konsequente Fixierung auf kompositorische Fragestellungen und das Festhalten an ausgewählten Motiven eine beeindruckende gestalterische Stringenz entwickeln. Die sich dadurch ergebenden medialen Wechselwirkungen kommen in der vorliegenden Ausstellung vor allem am Beispiel des Kopf-Motives zur Darstellung: In fotografischen Licht-Inszenierungen, Kolossal-Holzschnitten und zeichnerischen Skizzenketten geben sich die Verwandlungen des Gegenstandes im medialen Übergang Gestalt. Die fotografischen Ausgangspunkte der Skizzenketten beruhen auf Aufnahmen aus Rolf Schroeters Wustrow-Serie – eine beklemmende Dokumentation der Spuren einstiger menschlicher Präsenz und ihrer langsamen Zersetzung, deren rohe Körnigkeit wiederum ein grafisches Moment der Fotografie offenlegt. Diese in der Fotografie festgehaltene Zeitlichkeit setzt Toggenburger in ihrer zeichnerischen Fortschrift frei, die durch kontinuierliche Metamorphosen in vibrierende und zuweilen skurrile Dimensionen mündet.

Eine bedeutende Schnittmenge der beiden Künstler findet sich in ihrer gemeinsamen Leidenschaft für Bücher. Als gelernter Gestalter hat Rolf Schroeter den Grossteil seiner Publikationen selbst entworfen und sich dabei über die Jahre einen schlicht- strengen und unverwechselbaren Stil geschaffen. Auch Kaspar Toggenburgers künstlerisches Schaffen begann 1981 mit einem grossformatigen Mappenwerk der illustrierten Gedichte der expressionistischen Lyrikerin Henriette Hardenberg – eine Liebeserklärung ans besondere Buch, die in Handpressen-Editionen und Vorzugsausgaben ihre Fortsetzung fand. Dem buchgestalterischen bzw. editorischen Schaffen der beiden Künstler wird im Rahmen der Ausstellung ebenfalls Platz eingeräumt.